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Interview mit Casey Cadwallader, dem neuen Kreativdirektor von Mugler
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Interview mit Casey Cadwallader, dem neuen Kreativdirektor von Mugler

  - Mode  

Ich möchte Menschen kleiden, die mich inspirieren. Und ich möchte, dass diese sich von der Marke genauso inspiriert fühlen.

Der aus New Hampshire stammende Amerikaner Casey Cadwallader studierte an der Cornell University Architektur, bevor ein Praktikum bei Marc Jacobs zum Auslöser seiner 17-jährigen Karriere im Mode-Design wurde. Zu deren Stationen zählten unter anderem die Leitung der Damenmode bei Loewe, Narciso Rodriguez und zuletzt Acne Studios. Im Januar 2018 wurde er zum neuen Kreativdirektor von MUGLER Mode ernannt. Hier erzählt er, wie er seine neue Aufgabe sieht und was er sich davon erhofft.

1. Welche Vision haben sie für MUGLER?

Ich möchte durch einen interdisziplinären Ansatz eine neue Kultur rund um MUGLER ins Leben rufen. Ich will, dass MUGLER für viele verschiedene Arten von Frauen das Richtige ist, für alle Altersstufen, Größen, Farbtypen und Gelegenheiten. Ich möchte Menschen kleiden, die mich inspirieren. Und ich möchte, dass diese sich von der Marke genauso inspiriert fühlen. Ich möchte mich auch auf den Geist des Gründers rückbesinnen. Thierry Mugler war ein echter Visionär, der Risiken einging und ein einzigartiges, unkonventionelles Universum erschuf, ohne sich um Trends oder Vernunfteinwände zu scheren. Allerdings sollte sich das neue MUGLER nicht allein auf die damalige Ästhetik stützen, sondern auch weiterentwickeln. Aber dieses Erbe ist ein fantastisches Fundament für mich!

2. Was inspiriert Sie als Kreativdirektor?

Mein schöpferischer Prozess beginnt beim Stoff. Ich nehme mal an, da spricht der Architekt aus mir, der vom Material ausgeht. (Ich liebe es, Gewebe, Texturen und Farben anzuschauen und dabei Neues zu entdecken.) Ich interessiere mich auch sehr für Kunst und hoffe, es gelingt mir, das durch meine Arbeit für MUGLER zu vermitteln. Auch an die Kunst gehe ich auf eine eigentlich sinnliche Weise heran, da ich auf Texturen, Farben, die Kombination von Formen achte. Manchmal interessieren mich vor allem die Bewegung und Performance. Innenarchitektur gefällt mir ebenfalls sehr gut. Ich lasse alle diese Dinge auf mich einwirken, verdaue sie und beziehe sie dann in meinen kreativen Prozess ein. Ich muss mein Gehirn füttern, um etwas Neues zu erschaffen.

3. Wofür stehen Sie als Designer und als Bürger? Welche Rolle möchten Sie in der heutigen Gesellschaft spielen?

Die Dinge, für die ich mich als Mensch und Designer einsetze, sind Gleichheit, Vielfalt und Umweltschutz. Ich war in meinem Leben immer privilegiert, in dem Sinne, dass ich keine Not litt und nicht mit so vielen Problemen zu kämpfen hatte, wie viele Menschen anderer Gemeinschaften. Ich kann mich also nur um Verständnis für andere Blickwinkel bemühen. Daher ist Empathie für mich so wichtig. Jeder hat seine Geschichte zu erzählen und wir sollten ihr zuhören. Ich bewundere neue Technologien, die Umweltprobleme lösen. So hat mich Tesla und die Möglichkeit, mit so einem tollen, modernen HighTech-Design saubere Energie zu nutzen, sofort fasziniert. Ich habe sogar Aktien davon gekauft, sobald die auf den Markt kamen. Leider zu wenige (lacht). Die Umwelt ist auch bei MUGLER ein wichtiges Thema, welche Gewebe und Fasern wir verwenden ... Ich finde, eine Marke muss wissen, woher sie ihre Stoffe bezieht. Mit Leder und Pelzen setzen wir uns ebenfalls auseinander. Ich hoffe, dass die Technologien uns schließlich eine Alternative für Leder bieten werden, und ich verwende – außer Lammfell von Tieren, die nicht ausschließlich für diesen Zweck getötet wurden – keinen Pelz. Daher kommt auch in keiner Kollektion Nerz oder Fuchspelz zum Einsatz.

4. Wie kamen Sie erstmalig mit der Marke MUGLER in Berührung?

Vermutlich durch eine im Fernsehen gezeigte Modenschau oder George Michaels Too Funky-Video. Ich bin in einer Kleinstadt von New Hampshire aufgewachsen, da war MTV mein Fenster zur Welt. Die MUGLER-Modenschauen zeigten ein völlig anderes Universum als mein Lebensumfeld: so aufregend, ich wünschte mir, ich wäre dort. Mir haben schon immer Kleidungsstücke mit einer skulpturalen, architektonischen Dimension gefallen. Daher haben mich die Arbeiten von Modedesignern wie MUGLER, Alaïa oder Narciso stets stets fasziniert.

Was empfinden Sie für das MUGLER Erbe?

Es ist natürlich sehr bewegend, wenn man Zugang zu den 6000 Stücken in den Archiven hat. Dort mangelt es nie an Inspirationsquellen, die sich geradezu mit Macht aufdrängen. Dieses Archiv studieren zu dürfen, ist ein wahrer Luxus. Zu sehen, wie er mit Formen, Farben und Stoffen arbeitete, ist so interessant.

5. Was ist Ihr größter Traum?

Ich bin zum ersten Mal Kreativdirektor, kann also endlich das tun, was ich schon immer wollte. Und das auf der MUGLER Plattform, das ist wunderbar. Ich möchte Kleidungsstücke für all die Frauen machen, die mich inspirieren. Dann auf der Straße zu sehen, wie sie getragen werden, wird mich mit Demut erfüllen.

6. Wollten Sie schon immer Designer werden?

Ich wollte schon immer Sachen entwerfen, aber das musste nicht unbedingt Kleidung sein. Ich habe mich zunächst sehr für Edelsteine interessiert und sogar mehrere Jahre bei einem Juwelier in unserer Nähe gearbeitet. Dort lernte ich alles über Schmuck. Dann waren es Markennamen- und Auto-Design, die mich interessierten. Ich hatte mal die Idee, meine eigene Automarke zu entwerfen, inklusive Logo und alles. Aber dann ging ich weiter zu Gebäuden und studierte an der Cornell fünf Jahre lang Architektur. Ein bei Marc Jacobs arbeitender Freund erzählte mir von einem Praktikumsplatz dort - und so ergab es sich eben. Für mich ist das alles dasselbe. Es geht darum, etwas Bedeutsames zu entwerfen und aufzubauen.

7. Wonach sind sie am meisten süchtig?

Techno-Musik! Wenn ich erstmal auf der Tanzfläche bin, bekommt mich die restliche Nacht keiner mehr da weg (lacht).

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